Breda University: Wie die Fahrradinfrastruktur die Zukunft der urbanen Mobilität gestalten kann

22.09.2026

BREDA, Niederlande, 22. September 2026 /PRNewswire/ -- Neue leichte Elektrofahrzeuge (LEVs) könnten den Auto  -Verbrauch senken , stellen jedoch laut einer Studie der Fachhochschule Breda (BUas) auch eine größere Gefahr für Radfahrer dar.   

The Carver, a Light Electric Vehicle (LEV), in action during the LEVERAGE kick-off event at Breda University.

Da die Europäische Mobilitätswoche mit dem autofreien Tag zu Ende geht, steht das niederländische Fahrradmodell vor einer neuen Bewährungsprobe.

Der weltweite Leitfadenzum Radfahren

Die Niederlande haben das weltweite Vorzeigemodell für den Radverkehr geschaffen: 28 % aller Fahrten mit dem Fahrrad, 22 Millionen Fahrräder für die 18 Millionen Einwohner sowie ein 153.000 Kilometer langes Netz, das von Städten weltweit zunehmend untersucht und nachgeahmt wird.  

Geringere Autonutzung 

Leichte Elektrofahrzeuge – E-Scooter, E-Lastenräder und Fatbikes  – sind auf niederländischen Radwegen in immer größerer Zahl unterwegs. Eine Studie des LEVERAGE-Projekts der BUas und ihrer Partner verdeutlicht die Vorteile: Laut einer Umfrage unter fast 2.000 Einwohnern erwägt ein Viertel der Befragten, sich bald ein kleines Leichtfahrzeug (LEV) anzuschaffen, und drei Viertel gehen davon aus, dass sie infolgedessen weniger mit dem Auto fahren werden.  Das Interesse erstreckt sich gleichermaßen auf Vororte und ländliche Gebiete, was darauf hindeutet, dass LEVs die fahrradbasierte Mobilität über herkömmliche Fahrräder hinaus erweitern und so zursowie zur Dekarbonisierungdes gesamten Mobilitätssystems beitragen können.   

Es handelt sich um das Verhalten von, nicht um das Fahrzeug 

LEVs bringen jedoch auch eine größere Bandbreite an Geschwindigkeiten und Gewichten auf dieselben schmalen Radwege, und Sicherheitsstudien zeigen, dass dies zu einer Zunahme von Fahrradunfällen führt. Mithilfe von Eye-Tracking, Hautleitfähigkeits -Sensoren und Umfragen unter Radfahrern fanden Forscher heraus, dass zugelassene Fatbikes und andere LEVs mehr visuelle Aufmerksamkeit auf sich ziehen als gewöhnliche Fahrräder.  Dies führt jedoch nicht zu messbarem Stress oder Sicherheitsrisiken, solange sich die Nutzer von LEVs vorhersehbar verhalten und die zulässigen Geschwindigkeiten einhalten. 

„Es ist nicht das Fahrzeug selbst, das eine Gefahr darstellt,sondern die Art und Weise, wie es genutzt wird", sagt Paul van de Coevering, Professor für städtische Mobilitätsplanung an der BUas. Selbst Teilnehmer, die zuvor eine ablehnende Haltung gegenüber LEVs hatten, berichteten von keinen unsicheren Erlebnissen, als sie beim ruhigen Fahren auftraten.   Auch die Infrastruktur spielt eine Rolle: Durchgehend getrennte Radwege sorgen für ein stärkeres Sicherheitsgefühl.  

Die politische Lösung 

Die Durchsetzung von Verhaltensstandards wie Altersbeschränkungen, Geschwindigkeitskontrollen und vorhersehbares Fahrverhalten ist wirksamer und findet mehr Unterstützung in der Öffentlichkeit als das Verbot bestimmter Fahrzeuge.  In Verbindung mit Investitionen in eine gut konzipierte Infrastruktur können diese Maßnahmen dazu beitragen, dass das niederländische Fahrradmodell auch dann sicher bleibt, wenn eine neue Generation von Elektrofahrzeugen hinzukommt. 

Hinweis für die Redaktion 

Die Breda University of Applied Sciences ist eine international ausgerichtete Hochschule mit Studiengängen in den Bereichen gebaute Umwelt, Logistik und Gastgewerbe.

 

Breda University Logo

Cision View original content to download multimedia:https://www.prnewswire.com/news-releases/breda-university-wie-die-fahrradinfrastruktur-die-zukunft-der-urbanen-mobilitat-gestalten-kann-302880583.html

Other news

Historischer Machtwechsel in Magdeburg: AfD vor erstmaliger Übernahme des Landtagspräsidiums

08.10.2026

Im Magdeburger Landtag steht ein Einschnitt in der bundesdeutschen Parlamentsgeschichte bevor: Erstmals könnte ein Abgeordneter der AfD das Amt des Landtagspräsidenten übernehmen. Der 35-jährige Tobias Rausch, seit 2016 Mitglied des Landtags von Sachsen-Anhalt und Generalsekretär der AfD im Bundesland, geht mit einer komfortablen Mehrheit in die konstituierende Sitzung. Nach ihrem klaren Wahlsieg stellt die AfD künftig 39 der 83 Abgeordneten und ist damit die mit Abstand stärkste Fraktion.

Den entscheidenden Schub liefert das Bündnis mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Die fünf BSW-Abgeordneten wollen geschlossen für Rausch stimmen und kommen gemeinsam mit der AfD auf 44 Stimmen. BSW-Fraktionschef Thomas Schulze verweist auf parlamentarische Gepflogenheiten: Als stärkste Fraktion habe die AfD laut Geschäftsordnung Anspruch auf den Vorsitz im Parlament. Eine politische Blockbildung gegen die AfD lehnt Schulze ab und präsentiert die Zustimmung zur Wahl des Landtagspräsidenten als Signal eines „neuen Politikstils“.

Die übrigen Fraktionen reagieren gespalten. CDU, SPD, Grüne und Linke verfügen zusammen ebenfalls über 39 Mandate, treten aber nicht geschlossen gegen die AfD an. Die CDU hat angekündigt, sich bei der Wahl zu enthalten – Enthaltungen zählen in diesem Verfahren nicht als abgegebene Stimmen. SPD, Grüne und Linke wollen gegen Rausch stimmen. Spannend bleibt damit vor allem die Frage, ob der AfD-Kandidat über die absehbaren 44 Ja-Stimmen hinaus zusätzliche Unterstützung erhält. Vor der geheimen Abstimmung spekulieren die Lager bereits über mögliche Abweichler; aus der AfD-Spitze heißt es, zusätzliche Stimmen könnten auch aus dem Kreis der erklärten Gegner stammen.

Parallel zur Präsidentenwahl testet die AfD aus, wie weit ihr neuer Einfluss im Landtag reicht. Die Fraktion will die Geschäftsordnung ändern, um neben dem Präsidenten auch einen der drei Vizepräsidentenposten zu besetzen – vorgesehen ist der Abgeordnete Hans-Thomas Tillschneider. In der Vergangenheit sorgten seine Beiträge zur Bildungs- und Kulturpolitik regelmäßig für Kritik in anderen Fraktionen, die den Personalvorschlag daher als Provokation werten dürften. Ob das BSW diese Personalie ebenso mitträgt wie die Wahl von Rausch, ist bislang offen. Unabhängig vom Ausgang der Abstimmungen wird die erste Sitzung des neu gewählten Landtags damit zum Testfall für künftige Zusammenarbeit und Machtarithmetik in Sachsen-Anhalt.