VW-Betriebsratschefin Cavallo offen für Rüstungsprojekte

10.03.2026


Die Betriebsratschefin von Volkswagen, Daniela Cavallo, hat sich in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur offen für Rüstungsprojekte bei dem Autobauer gezeigt. "Ich bin der Meinung, dass Deutschland und Europa unabhängiger werden müssen im Bereich Verteidigung", sagte Cavallo. Sie begründet ihre Haltung mit den Veränderungen in der Welt und der Notwendigkeit, dass Europa ein Gegengewicht aufbauen müsse.

Vor allem für das Volkswagen-Werk im niedersächsischen Osnabrück könnte die Rüstungsproduktion eine Zukunftsperspektive darstellen. "Wir prüfen alle Möglichkeiten, um den Standort Osnabrück zukunftsfest aufzustellen", erklärte die Arbeitnehmervertreterin. Dabei verwies sie auf die bereits bestehende Expertise innerhalb des Konzerns: Die Tochtergesellschaft MAN baut seit Jahren in einem Gemeinschaftsunternehmen mit Rheinmetall Militärlastkraftwagen.

Cavallo, die seit fünf Jahren den Betriebsrat des größten europäischen Autobauers führt, sieht die Automobilindustrie weiterhin in einer angespannten Lage. Geopolitische Konflikte und Handelsstreitigkeiten, darunter neue US-Zölle, setzten die Branche zusätzlich unter Druck. Diese Herausforderungen müsse der Vorstand bewältigen, betonte die Betriebsratschefin.

Gleichzeitig erteilte Cavallo neuen Sparprogrammen zulasten der Belegschaft eine klare Absage. Ihre Aufgabe sei es, darauf zu achten, dass bestehende Vereinbarungen eingehalten würden und nicht einseitig neue Sparmaßnahmen aufgelegt würden. Mit dem Ende 2024 vereinbarten Sanierungsprogramm, das den Abbau von 35.000 Arbeitsplätzen in Deutschland bis 2030 vorsieht, werde der Belegschaft bereits einiges abverlangt. Dieses Programm müsse nun konsequent umgesetzt werden, so Cavallo, die zuversichtlich ist, dass nach jeder Krise wieder bessere Zeiten kommen.

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Starkes Jahr 2025 für Zalando: zweistelliges Wachstum, Kostenschnitte in der Logistik

13.03.2026


Zalando hat 2025 kräftig zugelegt und seine eigenen Ziele am oberen Ende der Spannen erreicht. Der Umsatz des im DAX notierten Online-Modehändlers stieg um 16,8 Prozent auf 12,35 Milliarden Euro und lag damit leicht über den Markterwartungen. Das Bruttowarenvolumen (GMV) kletterte um 14,7 Prozent auf 17,56 Milliarden Euro. Rückenwind bekam das Geschäft vor allem durch die Übernahme des Konkurrenten About You sowie den verstärkten Einsatz Künstlicher Intelligenz in Vertrieb und Plattformsteuerung.

Operativ verbesserte sich Zalando ebenfalls: Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) erhöhte sich auf 591 Millionen Euro nach 511 Millionen Euro im Vorjahr, die Marge blieb mit 4,8 Prozent stabil und leicht über den Analystenprognosen. Unter dem Strich sank der Gewinn jedoch auf 213 Millionen Euro von zuvor 251 Millionen Euro und verfehlte damit die Erwartungen. Für das laufende Jahr stellt das Management ein weiteres Wachstum von 12 bis 17 Prozent bei GMV und Umsatz in Aussicht; das bereinigte EBIT soll auf 660 bis 740 Millionen Euro steigen. Die mittelfristigen Ziele bis 2028 – jährliche Zuwächse von 8 bis 13 Prozent bei Umsatz und GMV sowie eine EBIT-Marge von 6 bis 8 Prozent – wurden bestätigt, die angepeilten jährlichen Synergien aus der About-You-Übernahme von 100 Millionen Euro sollen bereits 2028 und damit ein Jahr früher erreicht sein.

An der Börse sorgte vor allem die Kapitalmarktpolitik für Auftrieb. Der Konzern kündigte ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 300 Millionen Euro an, das bis Ende Juli laufen soll. Die Aktie legte im Tagesverlauf zweistellig zu und notierte zeitweise rund elf Prozent höher bei 22,35 Euro. Damit reagierte der Markt positiv auf die Kombination aus besser als erwarteten operativen Kennzahlen, bestätigtem Wachstumskurs und der Ankündigung, überschüssiges Kapital an die Anteilseigner zurückzuführen – obwohl die Zalando-Papiere seit Jahresbeginn deutlich im Minus liegen und in den vergangenen zwölf Monaten rund ein Drittel an Wert verloren haben. Analysten hoben neben dem Rückkauf insbesondere die Rolle von KI und das Konzept des sogenannten Agentic Commerce als nächste Entwicklungsstufe des Onlinehandels hervor.

Überschattet werden die guten Zahlen von strukturellen Einschnitten im Logistiknetz. Im Zuge der Integration von About You will Zalando vier Logistikzentren in Europa schließen, darunter den Standort Erfurt mit rund 2.700 Beschäftigten. Co-Chef David Schröter sprach von einer der schwersten, zugleich aber notwendigen Entscheidungen, um die Kapazitäten an den künftigen Wachstumsbedarf anzupassen. Das Unternehmen verhandelt nach eigenen Angaben mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan, bietet Versetzungen an andere Standorte an und arbeitet mit der örtlichen Arbeitsagentur zusammen. Weitere Maßnahmen über die bereits angekündigten Schließungen hinaus soll es dem Management zufolge nicht geben; aus der Thüringer Landespolitik kommt dennoch Kritik an der Entscheidung.