
In Nordrhein-Westfalen formiert sich die Friedensbewegung zu den traditionellen Ostermärschen, die in diesem Jahr erneut im Zeichen internationaler Konflikte stehen. In mehr als einem Dutzend Städten sind Aktionen geplant, die größte Route führt von Duisburg nach Dortmund. Koordiniert werden die Veranstaltungen vom in Bonn ansässigen Netzwerk Friedenskooperative, das bundesweit für die Abstimmung der Ostermärsche zuständig ist.
Die Organisatoren verweisen auf eine spürbare Belebung der Bewegung nach Jahren rückläufiger Teilnehmerzahlen. Nach Angaben der Friedenskooperative beteiligten sich 2025 bundesweit mehr als 40.000 Menschen an den Ostermärschen – deutlich mehr als in den Vorjahren. Angesichts der aktuellen Weltlage rechnen die Veranstalter nun mit mehreren zehntausend Demonstrierenden und halten eine weitere Steigerung der Beteiligung gegenüber dem Vorjahr für möglich.
Inhaltlich stehen die Proteste vor allem unter dem Eindruck der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten. Die Friedensbewegung fordert von der Bundesregierung verstärkte diplomatische Initiativen zur Beendigung der bewaffneten Auseinandersetzungen, eine Stärkung des Völkerrechts sowie mehr Engagement für die Leidtragenden der Kriege. Die Organisatoren setzen damit bewusst auf politische Signale in Richtung Berlin, ohne sich auf militärische oder sicherheitspolitische Detailfragen festzulegen.
Ein weiterer Schwerpunkt der diesjährigen Märsche ist die Ablehnung einer Wiedereinführung der Wehrpflicht. Die Diskussion um eine mögliche Rückkehr zu verpflichtenden Diensten in den Streitkräften hat der Friedensszene zusätzlichen Mobilisierungsschub verliehen. Vor diesem Hintergrund erwarten die Veranstalter, dass die Ostermärsche auch im kommenden Jahr ihren Aufwärtstrend fortsetzen und sich als feste Plattform für sicherheits- und friedenspolitische Debatten im Bundesgebiet etablieren.

Die Inflation im Euroraum hat im März spürbar angezogen. Nach vorläufigen Daten von Eurostat kletterte die jährliche Teuerungsrate auf 2,5 Prozent, nachdem sie im Februar noch bei 1,9 Prozent gelegen hatte. Auf Monatssicht zogen die Verbraucherpreise um 1,2 Prozent an – der kräftigste Anstieg seit Oktober 2022. Damit liegt die Teuerung wieder klar näher am Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent, wenn auch weiterhin nur knapp darüber.
Treiber des Inflationsschubs ist vor allem der Energiesektor. Nachdem Energiepreise im Februar im Jahresvergleich noch um 3,1 Prozent gefallen waren, verzeichneten sie im März einen Anstieg um 4,9 Prozent. Auslöser ist der jüngste Energieschock infolge des Kriegs im Iran und der weitgehenden Schließung der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Routen für Öl- und Gastransporte. Der Preis für die Nordsee-Ölsorte Brent ist auf über 110 US-Dollar je Barrel gestiegen, die europäischen Gaspreise legten seit Jahresbeginn um rund 80 Prozent zu.
Gleichzeitig zeigt sich die Kerninflation – ohne Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak – vergleichsweise stabil bis leicht rückläufig. Sie sank von 2,4 Prozent im Februar auf 2,3 Prozent im März und lag damit etwas unter den Markterwartungen. Dienstleistungen verteuerten sich mit 3,2 Prozent nach 3,4 Prozent im Vormonat, Lebensmittel, Alkohol und Tabak lagen bei 2,4 Prozent. Industriegüter ohne Energie stiegen lediglich um 0,5 Prozent im Jahresvergleich. Die Daten deuten darauf hin, dass der neue Preisdruck bislang vor allem aus dem Energiesektor kommt und sich noch nicht breit in anderen Komponenten verfestigt hat.
Der Blick in die Länder zeigt ein heterogenes Bild. Am unteren Ende der Skala stehen Italien und Zypern mit Inflationsraten von jeweils 1,5 Prozent, während Kroatien mit 4,7 Prozent den höchsten Wert im Euroraum meldet. Für Deutschland weist Eurostat 2,8 Prozent aus, während das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Berechnungen von 2,7 Prozent spricht – ein Unterschied, der sich aus verschiedenen Methoden der Erhebung ergibt. Erste Daten aus den Bundesländern deuten ebenfalls auf eine deutliche Beschleunigung der Teuerung hin: In mehreren Ländern sprang die Rate von Werten um 1,8 bis 2,0 Prozent im Februar auf rund 2,5 bis 3,0 Prozent im März.
Mit dem Energieschock verschiebt sich der Fokus der Geldpolitik erneut. Noch vor wenigen Wochen hatten rückläufige Energiepreise den Inflationsdruck spürbar gedämpft und Spekulationen über mögliche Zinssenkungen der EZB genährt. Nun stellt sich die Frage, inwieweit der jüngste Preisschub die Zinsplanung in Frankfurt durcheinanderbringen könnte. Während die Gesamtinflation wieder anzieht, signalisiert die leicht sinkende Kerninflation zugleich eine gewisse Entspannung bei der binnenwirtschaftlichen Dynamik. Wie die Notenbank diesen Mix aus neuen geopolitisch bedingten Preisschocks und moderater Kernteuerung bewertet, dürfte die weitere Ausrichtung der Geldpolitik im Euroraum maßgeblich prägen.