
Chatbots mit Künstlicher Intelligenz wie ChatGPT oder Gemini sind für viele Kinder und Jugendliche in Deutschland innerhalb kurzer Zeit zu einem festen Bestandteil des Alltags geworden. Das geht aus einer neuen Erhebung der Krankenkasse DAK-Gesundheit und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) hervor. Laut der vom Institut Forsa durchgeführten Befragung nutzen 20,8 Prozent der 10- bis 17-Jährigen solche Programme mehrmals pro Woche, 6,4 Prozent greifen sogar täglich darauf zu. Abgefragt wurde das Nutzungsverhalten in den zurückliegenden sechs Monaten.
Die Studie, deren Ergebnisse in Berlin vorgestellt werden sollen, ordnet KI-Chats als weitere Säule im ohnehin dichten digitalen Medienalltag Minderjähriger ein. Chatbots werden demnach vor allem als Lern- und Informationswerkzeuge eingesetzt. Kinder und Jugendliche nutzen sie, um sich Inhalte erklären zu lassen oder Fragen zu stellen, die sie sonst mit Suchmaschinen oder Schulunterlagen bearbeiten würden. Die Erhebung ist Teil der inzwischen achten Welle einer seit 2019 laufenden Mediennutzungsstudie von DAK und UKE.
Gleichzeitig verweisen die Autoren auf eine wachsende sozial-emotionale Rolle der Anwendungen. Einige der befragten Nutzerinnen und Nutzer geben an, Chatbots Dinge anzuvertrauen, die sie sonst niemandem oder nur engen Freunden erzählen würden. Für 7 Prozent der KI-Nutzer trifft dies „manchmal“ zu, weitere 3,4 Prozent berichten, dies „oft“ oder „sehr oft“ zu tun. Die entsprechenden Angaben beziehen sich auf 644 Kinder und Jugendliche, die erklärten, Chat-Programme nicht „nie“ zu verwenden.
Vor dem Hintergrund einer insgesamt hohen Bildschirmzeit bleibt die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit problematischer Mediennutzung nach Einschätzung der Studienmacher weiter sehr hoch. Auch wenn die durchschnittlichen Nutzungszeiten leicht rückläufig sind, verschiebt sich der Fokus: Deutlich zugenommen hat demnach die Nutzung von Online-Videos auf Plattformen wie Tiktok und Youtube. Aus Sicht der Suchtprävention rücken damit Designmerkmale wie endloses Scrollen und automatische Wiedergabe stärker in den Blick – nun ergänzt um interaktive KI-Dienste, die sich zunehmend in den Alltag der jungen Nutzer integrieren.

In Ostdeutschland wachsen Angebot und Aufmerksamkeit für alkoholfreie Weine und Sekte, doch die Branche bleibt gespalten. Während große Marken wie Rotkäppchen-Mumm in alkoholfreien Schaumweinen einen zentralen Wachstumstreiber sehen, sprechen viele Weingüter weiterhin von einem Nischenmarkt. Der übergeordnete Trend ist eindeutig: Der Weinkonsum in Deutschland ist nach Angaben des Deutschen Weininstituts (DWI) rückläufig, während der Absatz von Sekt und Schaumwein mit rund 3,5 Litern pro Kopf bei über 16-Jährigen weitgehend stabil bleibt. "Die Deutschen sind Weltmeister im Sekttrinken", sagt Martin Junge, Sprecher des sächsischen Staatsweinguts Schloss Wackerbarth – jede fünfte Flasche Sekt weltweit wird hierzulande geöffnet.
Schloss Wackerbarth hat seinen Sektabsatz seit 2002 nach eigenen Angaben verfünffacht und versucht seit dem vergangenen Jahr, an diesem Erfolg mit einem alkoholfreien Premium-Sekt anzuknüpfen. Die technische Entalkoholisierung bringt jedoch sensorische Probleme mit sich: Kellermeister Jürgen Aumüller verweist darauf, dass Alkohol auch ein Geschmacksträger ist. Entzieht man ihn dem Grundwein, verändert sich das gesamte Profil. Um eine vergleichbare Fülle im Glas zu erreichen, mussten Süße und Säure neu austariert werden, "um einfach den Geschmack ein bisschen vollmundiger zu gestalten". Das Beispiel unterstreicht, dass Qualität bei alkoholfreien Produkten nicht ohne erheblichen Entwicklungsaufwand zu haben ist.
Rotkäppchen-Mumm in Freyburg verfolgt einen deutlich offensiveren Kurs. Die bekannteste ostdeutsche Sektmarke bietet bereits seit 2008 alkoholfreie Varianten an und sieht darin einen "zentralen Hebel für weiteres Wachstum", wie Geschäftsführerin Silvia Wiesner betont. Nach Unternehmensangaben ist Rotkäppchen-Mumm heute Marktführer bei alkoholfreien Schaumweinen. Eine eigene Trendstudie mit 1.500 Befragten stützt die Strategie: Demnach wünscht sich rund die Hälfte der Teilnehmer mehr Auswahl im alkoholfreien Segment. Für den Hersteller ist das ein Signal, Sortiment und Marketing in diesem Bereich weiter auszubauen.
Deutlich zurückhaltender präsentiert sich die Winzervereinigung Freyburg. Geschäftsführer Hartmut Schreiter sieht alkoholfreie Weine vor allem als Ergänzungsprodukt – nicht als kommenden Massenmarkt. Derzeit machen alkoholfreie Sorten dort etwa drei Prozent des verkauften Weins aus. Die Zahlen spiegeln eine verbreitete Skepsis in Teilen der ostdeutschen Weinwirtschaft wider: Zwar verzeichnen laut DWI Absatz und Umsatz mit alkoholfreien Weinen Zuwächse, der Anteil am Gesamtgeschäft bleibt aber gering. Für große Marken und spezialisierte Betriebe eröffnet der Trend damit ein Feld für Profilierung und Wachstum, für viele klassische Winzer ist er bislang vor allem ein Versuchslabor mit begrenztem wirtschaftlichem Gewicht.