Im Streit um die Finanzierung von Rettungsfahrten in Brandenburg hat Gesundheitsminister René Wilke ein Moratorium für drohende Gebührenbescheide verkündet. Nach einem Spitzentreffen mit Landkreisen, kreisfreien Städten und Krankenkassen sind die Pläne einzelner Kommunen, Bürger erstmals direkt für Rettungseinsätze zur Kasse zu bitten, vorerst gestoppt. Eine dauerhafte Lösung steht noch aus, soll nun aber in weiteren Verhandlungen erarbeitet werden. Einigkeit besteht laut Wilke darin, dass Patientinnen und Patienten sich darauf verlassen können wollen, die Kosten für Rettungseinsätze nicht privat tragen zu müssen.
Auslöser der Auseinandersetzung war die Ankündigung der Stadt Cottbus, ab Ende März Gebührenbescheide für Rettungseinsätze zu verschicken – zunächst für Einsätze ab Januar 2025. Die Kommune begründete den Schritt mit einer Finanzierungslücke, weil die Krankenkassen nach Darstellung der Stadt nicht bereit seien, die vollen Kosten für 2025 zu übernehmen. Die Ersatzkassen wiesen das zurück und betonen, man zahle „selbstverständlich“ für gesetzlich vorgesehene, transparente und ordnungsgemäß kalkulierte Rettungsdienstleistungen. Nicht akzeptabel seien dagegen Kostenansätze, die wirtschaftlich nicht nachvollziehbar oder gebührenrechtlich nicht ansatzfähig seien.
Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht die Frage, wie stark die Ausgaben für den Rettungsdienst steigen dürfen und wie diese Steigerungen belegt werden. Der Verband der Ersatzkassen Berlin-Brandenburg fordert transparente und plausible Zahlen. In Cottbus halten die Kassen eine Kostensteigerung von rund 30 Prozent von 2024 auf 2025 nach eigenen Angaben für nicht plausibel. Ähnliche Konflikte gibt es im Landkreis Dahme-Spreewald, wo ebenfalls Gebührenbescheide drohten. Landrat Sven Herzberger machte deutlich, dass Bürger die Notrufnummer 112 wählen können müssten, ohne Angst vor späteren Gebührenbescheiden zu haben.
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums ist die Lage im Land heterogen: In acht Landkreisen oder kreisfreien Städten sind die Finanzierungsfragen für den Rettungsdienst geklärt, weitere acht verhandeln noch mit den Kassen. Cottbus und Dahme-Spreewald gelten dabei als besondere Problemfälle. Dennoch sieht Minister Wilke auf allen Seiten die Bereitschaft zur Einigung, um zusätzliche Belastungen der Bürger zu vermeiden. Kommunalvertreter wie die Cottbuser Oberbürgermeister Tobias Schick und die Uckermärker Landrätin Karina Dörk betonen eine gemeinsame Mitverantwortung für eine tragfähige und dauerhafte Lösung der Rettungsdienstfinanzierung.
Hapag-Lloyd steht zunehmend unter Druck durch geopolitische Spannungen und sinkende Frachtraten. Vorstandschef Rolf Habben Jansen bezifferte die zusätzlichen Belastungen infolge der Iran- und Nahost-Krise auf 40 bis 50 Millionen US‑Dollar pro Woche. Höhere Treibstoffkosten, steigende Versicherungsprämien und zusätzliche Lagergebühren für Container schlagen direkt in der Gewinn- und Verlustrechnung der Hamburger Reederei durch. „Wir können das nicht einfach wegstecken“, sagte Habben Jansen dem Sender ntv zufolge und stellte klar, dass ein Großteil der Mehrkosten an die Kunden weitergereicht werden dürfte.
Bereits das jüngste Geschäftsjahr hat die Abkühlung im globalen Containerverkehr deutlich gemacht. Bei einem Umsatz von rund 18,6 Milliarden Euro erzielte Hapag-Lloyd nur noch einen Konzerngewinn von 924 Millionen Euro, nach knapp 2,4 Milliarden Euro im Vorjahr bei gut 19 Milliarden Euro Erlös. In US‑Dollar gerechnet sank das Ergebnis auf 1,0 Milliarden und damit um mehr als 60 Prozent. Niedrigere durchschnittliche Frachtraten trafen auf steigende operative Aufwendungen und ließen die vormals hohen Margen der Branche deutlich erodieren.
Der Ausblick verschärft die Sorgen am Kapitalmarkt. Für das Geschäftsjahr 2026 hält Hapag-Lloyd ein negatives EBIT von bis zu 1,5 Milliarden US‑Dollar für möglich. Haupttreiber sind Routenänderungen, die aufgrund der Lage im Nahen Osten nötig wurden: Umwege um das Kap der Guten Hoffnung verursachen laut Unternehmen wöchentliche Zusatzkosten von 40 bis 50 Millionen US‑Dollar und neutralisieren weitgehend den Volumenzuwachs von acht Prozent auf 13,5 Millionen TEU, zumal die Frachtraten zuletzt im Schnitt um weitere acht Prozent nachgaben. Die Dividende soll von zuvor 8,20 Euro auf 3,00 Euro je Aktie deutlich gekürzt werden; die Aktie reagierte mit einem Kursrückgang von knapp drei Prozent auf 133,80 Euro.
Strategisch versucht Hapag-Lloyd, die Abhängigkeit von volatilen Handelsrouten zu verringern. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Ausbau des Indien-Geschäfts. Eine am 19. März in Mumbai unterzeichnete Absichtserklärung sieht vor, das Transportvolumen in der Region bis 2030 auf rund 3 Millionen TEU zu steigern. Die Partnerschaft umfasst unter anderem eine strategische Beteiligung am Ausbau eines Hafens und soll langfristig stabilere Erträge ermöglichen. Ob diese Weichenstellungen ausreichen, um die aktuellen Belastungen und das Risiko operativer Verluste zu kompensieren, bleibt vorerst offen.