Grab sichert sich Markteintritt in Taiwan mit 600-Millionen-Übernahme

24.03.2026


Delivery Hero verschlankt sein globales Portfolio und verkauft sein Essensliefergeschäft Foodpanda in Taiwan für 600 Millionen US‑Dollar in bar an Grab Holdings Limited. Wie der in Berlin ansässige Konzern mitteilte, soll der Abschluss der Transaktion in der zweiten Jahreshälfte 2026 erfolgen, vorbehaltlich der üblichen regulatorischen Genehmigungen. Der Deal ist als cash- und schuldenfreie Transaktion strukturiert.

Der Essenslieferdienst will den Nettoerlös in erster Linie zum Abbau von Verbindlichkeiten und für allgemeine Unternehmenszwecke einsetzen, um die eigene Kapitalstruktur weiter zu stärken. Konzernchef Niklas Östberg bezeichnete den Verkauf als wichtigen ersten Schritt in der laufenden strategischen Prüfung. Ziel sei es, den Wert für die Aktionäre zu steigern und das vorhandene Kapital effizienter zu allokieren.

Die Börse reagierte positiv: Die Aktie von Delivery Hero legte zuletzt um rund acht Prozent zu und zählte damit zu den stärksten Werten im MDax. Branchenexperte Andrew Ross von Barclays wertete den Schritt als positiv und erwartet, dass sich der Unternehmenswert durch solche Transaktionen erhöht. Investoren hatten das Management zuvor Berichten zufolge zu Verkäufen von Geschäftsfeldern gedrängt, um die Bilanz zu stärken und die Profitabilität zu verbessern.

Foodpanda Taiwan erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Bruttowarenwert (Gross Merchandise Value, GMV) von 1,5 Milliarden Euro und – bereinigt um Konzernkosten – ein positives angepasstes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA). Für Grab ist die Übernahme der Plattform ein strategischer Schritt in den taiwanischen Markt. Konzernchef Anthony Tan bezeichnete den Kauf als „natürlichen nächsten Schritt“ und sieht erhebliches Wachstumspotenzial im Bereich Essens- und Lebensmittellieferungen in Taiwan.

Der Verkauf fügt sich in eine breitere Neuaufstellung von Delivery Hero ein. Bereits im Dezember hatte das Unternehmen angekündigt, den Verkauf von Unternehmensteilen zu prüfen und neben potenziellen strategischen Partnerschaften auch Kapitalmarkttransaktionen für einzelne Ländergesellschaften zu erwägen. Zudem stehen „wertsteigernde Maßnahmen zur Kapitalstruktur und Kapitalallokation“ im Fokus. In der Region Südostasien hatte Delivery Hero schon länger den Ausstieg aus bestimmten Märkten ins Auge gefasst; frühere Verhandlungen mit Interessenten waren allerdings an den Konditionen gescheitert.

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Nische mit Perspektive: Wie Ost-Winzer den Boom alkoholfreier Getränke bewerten

24.03.2026


In Ostdeutschland wachsen Angebot und Aufmerksamkeit für alkoholfreie Weine und Sekte, doch die Branche bleibt gespalten. Während große Marken wie Rotkäppchen-Mumm in alkoholfreien Schaumweinen einen zentralen Wachstumstreiber sehen, sprechen viele Weingüter weiterhin von einem Nischenmarkt. Der übergeordnete Trend ist eindeutig: Der Weinkonsum in Deutschland ist nach Angaben des Deutschen Weininstituts (DWI) rückläufig, während der Absatz von Sekt und Schaumwein mit rund 3,5 Litern pro Kopf bei über 16-Jährigen weitgehend stabil bleibt. "Die Deutschen sind Weltmeister im Sekttrinken", sagt Martin Junge, Sprecher des sächsischen Staatsweinguts Schloss Wackerbarth – jede fünfte Flasche Sekt weltweit wird hierzulande geöffnet.

Schloss Wackerbarth hat seinen Sektabsatz seit 2002 nach eigenen Angaben verfünffacht und versucht seit dem vergangenen Jahr, an diesem Erfolg mit einem alkoholfreien Premium-Sekt anzuknüpfen. Die technische Entalkoholisierung bringt jedoch sensorische Probleme mit sich: Kellermeister Jürgen Aumüller verweist darauf, dass Alkohol auch ein Geschmacksträger ist. Entzieht man ihn dem Grundwein, verändert sich das gesamte Profil. Um eine vergleichbare Fülle im Glas zu erreichen, mussten Süße und Säure neu austariert werden, "um einfach den Geschmack ein bisschen vollmundiger zu gestalten". Das Beispiel unterstreicht, dass Qualität bei alkoholfreien Produkten nicht ohne erheblichen Entwicklungsaufwand zu haben ist.

Rotkäppchen-Mumm in Freyburg verfolgt einen deutlich offensiveren Kurs. Die bekannteste ostdeutsche Sektmarke bietet bereits seit 2008 alkoholfreie Varianten an und sieht darin einen "zentralen Hebel für weiteres Wachstum", wie Geschäftsführerin Silvia Wiesner betont. Nach Unternehmensangaben ist Rotkäppchen-Mumm heute Marktführer bei alkoholfreien Schaumweinen. Eine eigene Trendstudie mit 1.500 Befragten stützt die Strategie: Demnach wünscht sich rund die Hälfte der Teilnehmer mehr Auswahl im alkoholfreien Segment. Für den Hersteller ist das ein Signal, Sortiment und Marketing in diesem Bereich weiter auszubauen.

Deutlich zurückhaltender präsentiert sich die Winzervereinigung Freyburg. Geschäftsführer Hartmut Schreiter sieht alkoholfreie Weine vor allem als Ergänzungsprodukt – nicht als kommenden Massenmarkt. Derzeit machen alkoholfreie Sorten dort etwa drei Prozent des verkauften Weins aus. Die Zahlen spiegeln eine verbreitete Skepsis in Teilen der ostdeutschen Weinwirtschaft wider: Zwar verzeichnen laut DWI Absatz und Umsatz mit alkoholfreien Weinen Zuwächse, der Anteil am Gesamtgeschäft bleibt aber gering. Für große Marken und spezialisierte Betriebe eröffnet der Trend damit ein Feld für Profilierung und Wachstum, für viele klassische Winzer ist er bislang vor allem ein Versuchslabor mit begrenztem wirtschaftlichem Gewicht.