Mit dem Start der UN-Klimakonferenz in der Türkei rücken die globalen Herausforderungen des Klimaschutzes erneut in den Fokus. Das UN-Umweltprogramm UNEP warnt davor, dass die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts um 2,8 Grad erwärmen könnte, sofern Regierungen weltweit nicht entschlossener gegensteuern. Ein neues Faktenpapier des Deutschen Klimakonsortiums (DKK) unterstreicht die Notwendigkeit einer radikalen Abkehr von fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl und Gas.
Tilman Santarius, Professor an der TU Berlin und Mitautor des Papiers, betont, dass genügend kostengünstige Lösungen existieren, um den menschengemachten Klimawandel zu überwinden und gleichzeitig die Lebensqualität zu steigern. In Deutschland stünde dieser Ehrgeiz auf einer breiten demokratischen Basis, da laut Erhebungen 80 Prozent der Bevölkerung besorgt über Folgen wie Starkregen oder Hitzesommer sind. Dennoch bremsen tief verwurzelte fossile Abhängigkeiten und gesellschaftliche Verhaltensgewohnheiten den Fortschritt.
Die Experten kritisieren insbesondere politische Fehlanreize und den Trend zu sogenannten Rollbacks. Während Steuerbefreiungen das Fliegen künstlich verbilligen, fordern die Forschenden mehr Investitionen in eine klimaschonende Bahn. In den USA sowie in Deutschland – etwa durch das Gebäudemodernisierungsgesetz oder Novellen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes – seien Beispiele zu finden, bei denen aktuelle Regierungen Klimaschutzmaßnahmen der Vorgänger zurückdrehen.
Ein zentrales Thema der anstehenden Verhandlungen in Antalya ist die Elektrifizierung. Der türkische Umweltminister plant, das weltweite Elektrifizierungsziel bis 2035 von derzeit etwas über 20 Prozent auf 35 Prozent zu steigern. Santarius warnt jedoch, dass dies kein Ablenkungsmanöver sein darf, um den Ausstieg aus fossilen Energien zu verzögern, nachdem eine Einigung auf der vorangegangenen Konferenz in Brasilien am Widerstand ölfördernder Länder gescheitert war.




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