
Die Inflation im Euroraum hat im März spürbar angezogen. Nach vorläufigen Daten von Eurostat kletterte die jährliche Teuerungsrate auf 2,5 Prozent, nachdem sie im Februar noch bei 1,9 Prozent gelegen hatte. Auf Monatssicht zogen die Verbraucherpreise um 1,2 Prozent an – der kräftigste Anstieg seit Oktober 2022. Damit liegt die Teuerung wieder klar näher am Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent, wenn auch weiterhin nur knapp darüber.
Treiber des Inflationsschubs ist vor allem der Energiesektor. Nachdem Energiepreise im Februar im Jahresvergleich noch um 3,1 Prozent gefallen waren, verzeichneten sie im März einen Anstieg um 4,9 Prozent. Auslöser ist der jüngste Energieschock infolge des Kriegs im Iran und der weitgehenden Schließung der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Routen für Öl- und Gastransporte. Der Preis für die Nordsee-Ölsorte Brent ist auf über 110 US-Dollar je Barrel gestiegen, die europäischen Gaspreise legten seit Jahresbeginn um rund 80 Prozent zu.
Gleichzeitig zeigt sich die Kerninflation – ohne Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak – vergleichsweise stabil bis leicht rückläufig. Sie sank von 2,4 Prozent im Februar auf 2,3 Prozent im März und lag damit etwas unter den Markterwartungen. Dienstleistungen verteuerten sich mit 3,2 Prozent nach 3,4 Prozent im Vormonat, Lebensmittel, Alkohol und Tabak lagen bei 2,4 Prozent. Industriegüter ohne Energie stiegen lediglich um 0,5 Prozent im Jahresvergleich. Die Daten deuten darauf hin, dass der neue Preisdruck bislang vor allem aus dem Energiesektor kommt und sich noch nicht breit in anderen Komponenten verfestigt hat.
Der Blick in die Länder zeigt ein heterogenes Bild. Am unteren Ende der Skala stehen Italien und Zypern mit Inflationsraten von jeweils 1,5 Prozent, während Kroatien mit 4,7 Prozent den höchsten Wert im Euroraum meldet. Für Deutschland weist Eurostat 2,8 Prozent aus, während das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Berechnungen von 2,7 Prozent spricht – ein Unterschied, der sich aus verschiedenen Methoden der Erhebung ergibt. Erste Daten aus den Bundesländern deuten ebenfalls auf eine deutliche Beschleunigung der Teuerung hin: In mehreren Ländern sprang die Rate von Werten um 1,8 bis 2,0 Prozent im Februar auf rund 2,5 bis 3,0 Prozent im März.
Mit dem Energieschock verschiebt sich der Fokus der Geldpolitik erneut. Noch vor wenigen Wochen hatten rückläufige Energiepreise den Inflationsdruck spürbar gedämpft und Spekulationen über mögliche Zinssenkungen der EZB genährt. Nun stellt sich die Frage, inwieweit der jüngste Preisschub die Zinsplanung in Frankfurt durcheinanderbringen könnte. Während die Gesamtinflation wieder anzieht, signalisiert die leicht sinkende Kerninflation zugleich eine gewisse Entspannung bei der binnenwirtschaftlichen Dynamik. Wie die Notenbank diesen Mix aus neuen geopolitisch bedingten Preisschocks und moderater Kernteuerung bewertet, dürfte die weitere Ausrichtung der Geldpolitik im Euroraum maßgeblich prägen.

Deutschland positioniert sich als möglicher Schlüsselakteur beim Wiederaufbau Syriens. Beim deutsch-syrischen Wirtschaftsforum im Auswärtigen Amt in Berlin sagte Außenminister Johann Wadephul (CDU) dem Land umfassende Unterstützung zu. „Wir stehen an der Seite Syriens“, betonte er vor zahlreichen Vertretern deutscher Unternehmen und des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa. Der Wiederaufbau des durch 14 Jahre Bürgerkrieg schwer zerstörten Staates könne nur mit internationaler Hilfe gelingen, so Wadephul, der für Deutschland eine „starke Rolle“ bei der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes sieht.
Die ökonomische Ausgangslage ist dramatisch: Nach Schätzungen der Weltbank werden die Kosten für den Wiederaufbau auf 216 Milliarden US-Dollar beziffert. Laut UN leben rund 90 Prozent der syrischen Bevölkerung in Armut, etwa 70 Prozent sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Gleichzeitig hält sich allein in Deutschland Ende November noch eine syrische Community von gut 940.000 Menschen auf. Vor diesem Hintergrund ist die Debatte über Rückführung von Geflüchteten eng mit der Frage verknüpft, ob Syrien in absehbarer Zeit ausreichend Stabilität und wirtschaftliche Perspektiven bieten kann.
Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa sprach in Berlin von einem „Neuanfang“ und warb offensiv um Investitionen aus Deutschland. Syrien habe eine Reihe von Gesetzen geändert, um die rechtlichen Rahmenbedingungen für ausländisches Kapital zu verbessern, sagte er laut Übersetzung. Mit Blick auf den Iran-Krieg bezeichnete er Syrien als einen „sicheren Hafen“ und hob große Investitionschancen hervor. Al-Scharaa lud deutsche Firmen ausdrücklich zu Besuchen in Syrien ein, um sich vor Ort ein Bild von Projekten und Marktchancen zu machen.
Die Bundesregierung signalisiert der Wirtschaft dabei Rückendeckung. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) verwies auf erhebliches Kooperationspotenzial in der Energie- und Bauwirtschaft, im Maschinen- und Anlagenbau sowie bei IT- und Softwarelösungen. Mittel- und langfristig seien die Chancen des wirtschaftlichen Austauschs enorm, sagte Wadephul. Zugleich erinnerte er daran, dass Syrien „noch vor kurzem unter einer brutalen Diktatur und einem blutigen Bürgerkrieg gelitten“ habe und nun vor der immensen Aufgabe stehe, eine Staatlichkeit aufzubauen, die Sicherheit, Freiheit und ein Leben in Würde garantiere. Zwischen humanitärer Verantwortung, Chancen für deutsche Unternehmen und der politischen Neuordnung Syriens beginnt Berlin damit, Linien für ein mögliches langfristiges Engagement zu ziehen.