Die österreichischen Apotheken befinden sich im Wandel. Während die Bundesregierung die Möglichkeit für Impfungen in Apotheken schaffen will, betont die Österreichische Apothekerkammer, dass dies nur ein Teil einer umfassenderen Strategie ist. Kammerpräsidentin Ulrike Mursch-Edlmayr erklärte bei der Fortbildungstagung in Schladming, das Ziel sei die Mitwirkung im Patientenstrom-Management. Viele der rund 1.400 Apotheken seien durch Ausbildungsprogramme bereits auf die neuen Aufgaben vorbereitet.
Hintergrund dieser Entwicklung ist der zunehmende Wettbewerbsdruck. In den vergangenen Jahren sind europaweit Drogeriemärkte und Versandhandels-„Apotheken“ in den Markt eingedrungen, während klassische öffentliche Apotheken über ständig sinkende Margen klagen. In Deutschland gab es bereits zahlreiche Apotheken-Konkurse und Stilllegungen. Dem will die Apothekerkammer mit erweiterten Dienstleistungen begegnen, zu denen neben Impfungen auch Bluttests als Screening für Risikopersonen gehören.
Parallel dazu testet die Apothekerkammer mit dem Pilotprojekt „ApoDoc“ assistierte Telemedizin in Apotheken. Seit dem 20. Februar wird dieses kostenlose Angebot in drei Wiener Apotheken an Randdienstzeiten (Freitag 14-18 Uhr und Samstag 08-12 Uhr) bereitgestellt. Ab Mitte März sollen zwölf weitere Apotheken in Wien und Oberösterreich folgen. Patienten können dabei in einem Beratungszimmer vertraulich ein Online-Arztgespräch führen und bei Bedarf gleich Medikamente erhalten.
Das Projekt, das in Kooperation mit den Gesundheitsdienstleistern UNIQA Health Services und Mavie Next durchgeführt wird, läuft bis Ende Juni. Ziel ist die Entwicklung eines standardisierten telemedizinischen Ablaufs, der insbesondere außerhalb regulärer Ordinationszeiten einen zusätzlichen Zugang zu allgemeinmedizinischer Versorgung ermöglichen soll. Die Apothekerkammer betont, dass es sich dabei um eine Ergänzung zu bestehenden ärztlichen Versorgungsstrukturen handelt.

In der Thüringer Landtagsfraktion des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) steht ein Führungswechsel an. Fraktionschef Frank Augsten hat überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Der 67-Jährige, der den Vorsitz erst seit Dezember 2024 innehatte, will das Amt in den kommenden Wochen an eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger übergeben und die laufenden Geschäfte bis dahin noch weiterführen. Wer die Fraktionsspitze künftig übernimmt, ist nach Angaben aus Fraktionskreisen bislang offen.
Augsten begründete seinen Schritt nach übereinstimmenden Berichten aus Partei- und Fraktionskreisen mit persönlichen Gründen und dem Wunsch, sich wieder stärker seiner fachlichen Arbeit in der Landwirtschafts- und Umweltpolitik zu widmen. "Im Landwirtschaftsbereich brennt gerade die Luft", sagte der Agrarwissenschaftler mit Blick auf Betriebe, die wegen eines Streits mit der EU mit hohen Rückforderungen konfrontiert sein sollen. Für das BSW sitzt er im Landwirtschafts- und im Umweltausschuss und fungiert als agrarpolitischer Sprecher der Fraktion.
Der frühere Grünen-Politiker hatte bereits eine längere politische Laufbahn hinter sich, bevor er 2024 zum BSW wechselte. Zwischen 2009 und 2014 saß Augsten für Bündnis 90/Die Grünen im Thüringer Landtag und war zeitweise Co-Vorsitzender der Landespartei. Zwischen seinen Mandatszeiten arbeitete der studierte Agraringenieur unter anderem als Referatsleiter im Thüringer Landwirtschaftsministerium und später als kommissarischer Präsident der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft. Im BSW übernahm er den Fraktionsvorsitz, nachdem Katja Wolf im Zuge der Regierungsbildung Ministerin geworden war.
Die Personalie trifft eine Fraktion, die nach der Landtagswahl 2024 mit 15,8 Prozent der Stimmen aus dem Stand zur drittstärksten Kraft im Erfurter Parlament aufgestiegen war und bislang als vergleichsweise geschlossen galt. Das BSW ist Teil der sogenannten Brombeer-Koalition mit CDU und SPD. Das Bündnis unter Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) verfügt mit 44 der 88 Sitze über keine eigene Mehrheit und ist deshalb immer wieder auf Unterstützung aus der Opposition von Linken und AfD angewiesen. Innerhalb der Koalition hatten zuletzt vor allem der Umgang mit AfD-Anträgen und die Frage, ob „inhaltlich gute Anträge“ der AfD in Fachausschüsse überwiesen werden sollen, für Spannungen gesorgt. Augsten hatte sich öffentlich für eine inhaltliche Prüfung solcher Vorlagen ausgesprochen, während insbesondere die SPD-Fraktion eine solche Linie ablehnt.