Übernahme: Netfonds und Blau Direkt unter gemeinsames Dach

10.03.2026


Die Netfonds AG, ein führender Servicedienstleister der deutschen Finanz- und Versicherungswirtschaft, wird vom Private-Equity-Investor Warburg Pincus übernommen. Gleichzeitig geht das Hamburger Unternehmen eine strategische Partnerschaft mit dem Lübecker Maklerpool Blau Direkt ein, der sich bereits im Portfolio von Warburg Pincus befindet. Unter dem Dach des Wachstumsinvestors entsteht damit eine neue Gruppe mit einem kombinierten Umsatz von über 550 Millionen Euro und rund 600 Mitarbeitenden.

Warburg Pincus wird den Aktionären der Netfonds AG ein öffentliches Barangebot zum Erwerb sämtlicher nicht bereits gehaltener Aktien zu einem Preis von 78,25 Euro je Aktie unterbreiten. Dies entspricht einer Prämie von 64,4 Prozent auf den Schlusskurs vom 6. März 2026 und einer Prämie von 78,3 Prozent auf den volumengewichteten Dreimonatsdurchschnittskurs. Das Angebot unterliegt nicht den Vorschriften des Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetzes (WpÜG), da die Netfonds-Aktie nicht an einem organisierten Markt notiert ist. Der Vorstand und Aufsichtsrat der Netfonds AG befürworten das Angebot uneingeschränkt und sehen darin eine attraktive Möglichkeit für Aktionäre, den Wert ihrer Beteiligung vor einem geplanten Delisting zu realisieren.

Zum Stichtag, dem 9. März 2026, hat sich Warburg Pincus bereits eine unwiderrufliche Beteiligung von circa 53 Prozent an Netfonds gesichert. Die Angebotsunterlage mit den verbindlichen Konditionen wird am selben Tag veröffentlicht und markiert den Beginn einer sechswöchigen Annahmefrist, die mit Ablauf des 20. April 2026 endet. Der Vollzug des Angebots hängt von marktüblichen Bedingungen wie regulatorischen Freigaben ab und unterliegt keiner Mindestannahmeschwelle.

Die strategische Partnerschaft zwischen Netfonds und Blau Direkt zielt darauf ab, Wachstumspotenziale im Bereich Software und Infrastrukturlösungen für Finanz- und Versicherungsdienstleister zu erschließen. Beide Unternehmen sollen als eigenständige Einheiten unter der gemeinsamen Eigentümerstruktur erhalten bleiben. Netfonds bringt dabei seine Expertise im Investmentbereich, in der Regulatorik und mit seiner Technologieplattform Finfire ein, während Blau Direkt seine Automatisierungserfahrung im Versicherungssektor beisteuert. Die räumliche Nähe zwischen Hamburg und Lübeck sowie eine bereits bestehende Vertrauensbasis, unter anderem durch die gemeinsame Initiative zum Vergleichsrechner "comparit", bilden das Fundament für die Zusammenarbeit.

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Beben bei Thüringer BSW: Augsten räumt Fraktionsvorsitz

14.03.2026


In der Thüringer Landtagsfraktion des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) steht ein Führungswechsel an. Fraktionschef Frank Augsten hat überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Der 67-Jährige, der den Vorsitz erst seit Dezember 2024 innehatte, will das Amt in den kommenden Wochen an eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger übergeben und die laufenden Geschäfte bis dahin noch weiterführen. Wer die Fraktionsspitze künftig übernimmt, ist nach Angaben aus Fraktionskreisen bislang offen.

Augsten begründete seinen Schritt nach übereinstimmenden Berichten aus Partei- und Fraktionskreisen mit persönlichen Gründen und dem Wunsch, sich wieder stärker seiner fachlichen Arbeit in der Landwirtschafts- und Umweltpolitik zu widmen. "Im Landwirtschaftsbereich brennt gerade die Luft", sagte der Agrarwissenschaftler mit Blick auf Betriebe, die wegen eines Streits mit der EU mit hohen Rückforderungen konfrontiert sein sollen. Für das BSW sitzt er im Landwirtschafts- und im Umweltausschuss und fungiert als agrarpolitischer Sprecher der Fraktion.

Der frühere Grünen-Politiker hatte bereits eine längere politische Laufbahn hinter sich, bevor er 2024 zum BSW wechselte. Zwischen 2009 und 2014 saß Augsten für Bündnis 90/Die Grünen im Thüringer Landtag und war zeitweise Co-Vorsitzender der Landespartei. Zwischen seinen Mandatszeiten arbeitete der studierte Agraringenieur unter anderem als Referatsleiter im Thüringer Landwirtschaftsministerium und später als kommissarischer Präsident der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft. Im BSW übernahm er den Fraktionsvorsitz, nachdem Katja Wolf im Zuge der Regierungsbildung Ministerin geworden war.

Die Personalie trifft eine Fraktion, die nach der Landtagswahl 2024 mit 15,8 Prozent der Stimmen aus dem Stand zur drittstärksten Kraft im Erfurter Parlament aufgestiegen war und bislang als vergleichsweise geschlossen galt. Das BSW ist Teil der sogenannten Brombeer-Koalition mit CDU und SPD. Das Bündnis unter Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) verfügt mit 44 der 88 Sitze über keine eigene Mehrheit und ist deshalb immer wieder auf Unterstützung aus der Opposition von Linken und AfD angewiesen. Innerhalb der Koalition hatten zuletzt vor allem der Umgang mit AfD-Anträgen und die Frage, ob „inhaltlich gute Anträge“ der AfD in Fachausschüsse überwiesen werden sollen, für Spannungen gesorgt. Augsten hatte sich öffentlich für eine inhaltliche Prüfung solcher Vorlagen ausgesprochen, während insbesondere die SPD-Fraktion eine solche Linie ablehnt.